Bernd Sydow, CEO der MOG AG, blickt zurück auf ein turbulentes 2016 und gibt einen Ausblick auf die Pläne für das kommende Jahr.

„Es war ein Jahr der Extreme und Turbulenzen. Zeitweise hatte ich das Gefühl, zwei Schritte vor und einen Schritt zurück zu gehen. Immer wieder gab es neue Überraschungen, sowohl in der Aufarbeitung der bisherigen Historie der MOG AG als auch in der Planung der kommenden Aktivitäten und Geschäftsfelder. Letztlich sind wir alle mit diesen Herausforderungen gewachsen. Unser Team ist größer, stärker und selbstbewusster geworden, unsere Reputation bei unseren Partnern und Kunden ist gewachsen und unsere Voraussetzungen für die Zukunft sind jetzt optimal.


Strategischer Fokus

Strategisch haben wir den Fokus unseres Geschäfts auf Europa gelegt. Wir starteten mit der Vermarktung in Deutschland, Österreich und der Schweiz – Italien und Israel folgen unmittelbar. Daneben führen wir Gespräche mit interessierten Lizenzpartnern für Kanada, USA, Indien und China. Weiterhin bereiten wir den Markteintritt für das NHS+-Verfahren auch in Nigeria vor. Dabei konzentrieren wir uns auf zwei Geschäftsfelder: Die Sanierung von kontaminierten Böden und die Reinigung von Gleisbettanlagen der Bahngesellschaften.


Finanzen und Investoren

Mit den testierten Bilanzen für 2014 und 2015 ist die Vergangenheit vollständig bereinigt, die Finanzen sind sauber aufgeräumt. Unsere Energien richten wir jetzt ausschließlich in die Zukunft. Dafür sind wir bestens ausgestattet.

In den letzten Monaten haben wir verschiedene Gespräche geführt mit interessierten Investoren und Aktionären, die sich an der nächsten Kapitalerhöhung gerne beteiligen möchten. Nachdem nun viele Hausaufgaben erledigt worden sind, gibt es ein sehr erfreuliches Interesse, die nächste Wachstumsphase finanziell und auch operativ zu begleiten und zu unterstützen.


Team und Standorte

Wir bauten ein schlagkräftiges Sales-Team auf für die Märkte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Um die akquirierten Projekte umzusetzen konnten wir mit Dr. Willian Menezes als „Project Manager Cleaning Technologies“ weitere Kompetenz an Bord nehmen. Unser neuer Leiter Forschung & Entwicklung, Dr. Sergey Seryy, ist inzwischen wieder zum MOG-Team in der Ukraine gestoßen, an dessen Aufbau er in den Anfangstagen des Unternehmens bereits aktiv beteiligt war. Wissenschaftliche Unterstützung erhält er durch unseren neuen Kollegen Volodymyr Harkavenko.

Unsere Aktivitäten im deutschsprachigen Europa koordinieren wir von Berlin aus, wo wir im Herbst unser Hauptstadtbüro eröffneten. Dort arbeiten neben mir auch Oskar Lienemann als Assistent des Vorstands, Dr. Willian Menezes sowie Sven Nagel, der für Marketing und Kommunikation verantwortlich ist. Gemeinsam mit unserem Designer Andreas Prossliner hat Herr Nagel bereits im Sommer unser Logo und den Internetauftritt neu gestaltet, unsere Unternehmensbroschüre und die Firmenpräsentation in eine neue Form gebracht sowie unseren Claim “Making the world a greener place” entwickelt. Die Rückmeldungen auf unser neues Erscheinungsbild sind durchweg positiv.

Am Casali Institut haben unser leitender Chemiker Dr. Uri Stoin und Dr. Sergey Seryy gemeinsam mit mir die Schwerpunkte unserer Forschung und Entwicklung für die kommenden zwölf Monate erarbeitet und festgelegt. Das NHS+-Verfahren wird weiter optimiert mit dem Ziel, den Materialeinsatz noch weiter zu reduzieren und es zugleich effektiver zu machen.


Pilotprojekte

Bereits im Sommer konnten wir auf einem Gleis des Bahnhofs im schweizerischen Huttwil einen wichtigen Meilenstein erreichen. Dort wurde das NHS+-Verfahren für die schnelle und nachhaltige Dekontaminierung von Gleisbettungen angewendet und getestet. Es baut Fette, Öle und Dieselreste sowie Herbizide und Pestizide im Gleisbett fast rückstandslos ab. Dies wurde mit dem Pilotprojekt auf eindrucksvolle Weise auch optisch bestätigt. Wir konnten wichtige Erfahrungen sammeln über die Aufbringung und die Konzentration der chemischen Komponenten und unseren Prozessablauf für weitere Anwendungen optimieren. Begleitet wurde die Auswertung der Laborergebnisse durch die TÜV-Berichte, die uns einen sehr guten Reinigungserfolg attestierten. Das Pilotprojekt haben wir einem kurzen Video dokumentiert, in dem unsere Experten das Verfahren praxisnah und informativ erläutern. In den vier Filmminuten erklären wir konkret, wie die Gleisbettreinigung funktioniert.

Im Badischen Rastatt sind etwa 400 Hektar Böden mit Per- und Polyfluorierten Chemikalien (PFC) kontaminiert, mehrere Trinkwasserbrunnen wurden gesperrt. Umweltexperten und das baden-württembergische Umweltministerium beziffern die Kosten für die vollständige Sanierung der Flächen mit konventionellen Methoden auf mehrere 100 Millionen Euro. Die örtlichen Behörden haben uns eine Testsanierung in Aussicht gestellt. Wir wollen NHS+ auf einem kleineren Areal anwenden. Wenn sich das Verfahren als effektiv erweist, können wir im Nachgang großflächiger reinigen.

In Österreich bekamen wir direkt nach der Präsentation unseres Verfahrens beim Umweltbundesamt und der für kontaminierte Liegenschaften zuständigen staatlichen BALSA GmbH einen Zuschlag für ein kleines bezahltes Pilotprojekt, das wir im ersten Quartal 2017 angehen werden.

Ebenfalls zum Jahresanfang planen wir ein umfangreiches Pilotprojekt für die Deutsche Bahn in Süddeutschland. Hier möchten wir alle relevanten Abteilungen der DB Netz AG einbeziehen. In enger Zusammenarbeit mit dem Netzbetreiber, dem Umweltservice der Bahn und technischen Dienstleistern werden wir weitere Erfahrungen sammeln in der Anwendung von NHS+ im Gleisbett. Insbesondere die Reinigungstiefe im Schotterbett, die Effizienz der chemischen Reaktion und der Materialeinsatz sollen bei diesem Einsatz dokumentiert und weiter optimiert werden.


Kooperationen

Als einen wichtigen, europaweit aufgestellten und zertifizierten Partner für die Bereitstellung der benötigten Chemikalien konnten wir das Unternehmen BCD gewinnen, einer Tochter der europaweit agierenden Brenntag-Gruppe.

Die österreichische Plasser & Theurer GmbH ist Weltmarktführer in der Konstruktion von Gleisbettreinigungs- und Erneuerungsmaschinen. Diese Arbeitszüge mit einer Länge von über 100 Metern werden unter anderem auch von der STRABAG europaweit eingesetzt. Aktuell führen wir Gespräche, wie wir unser NHS+ Verfahren sinnvoll und kosteneffizient in den Reinigungs- und Erneuerungsprozess integrieren können.


Internationale Aktivitäten

Österreich
Neben den Treffen mit den österreichischen Umweltbehörden führten wir Gespräche mit dem Management der Österreichischen Bundesbahnen. Die Bereitschaft unser Verfahren kennenzulernen, ist hier sehr groß. Auf dem österreichischen Streckennetz soll im kommenden Jahr ein gemeinsames Pilotprojekt durchgeführt werden.

Italien
Den italienischen Markt möchten wir gerne mit unserem Aktionär Aequitrade bearbeiten. Aktuell prüfen wir gemeinsam mit dem dortigen Management die Konstellation, mit der wir in Italien Aufträge umsetzen können.

Nigeria
Mit der deutschen Beteiligungsgesellschaft Balaton AG laufen Gespräche über ein gemeinsames Engagement in der Ölschlammreinigung im Rahmen unseres bestehenden Joint Ventures vor Ort.

Israel
Während unserer letzten Besuche in Jerusalem sprachen wir mit zwei Unternehmen aus der Umwelttechnologie, die gerne mit uns Projekte in Israel umsetzen möchten. Hier wollen wir Referenzprojekte realisieren und die Nähe zur Universität in Jerusalem und unserem F&E- Bereich am Casali Institut direkt nutzen.

Indien, China, Kanada
Für diese Länder suchen wir professionelle und strategisch agierende Unternehmen, die als Lizenzpartner perspektivisch eigenständig unsere Technologien im eigenen Land umsetzen.Wir führen Gespräche mit Unternehmen, die idealerweise bereits über umfangreiche Erfahrungen in der Bodensanierung verfügen.


Ausblick 2017

Als Vorbereitung zur Aktionärsversammlung wird es einen aktualisierten Businessplan geben, der die geplanten Aktivitäten und Schwerpunkte der nächsten Jahre darstellt. Die ersten Umsätze planen wir in Deutschland und Österreich, nachdem die avisierten Pilotprojekte erfolgreich durchgeführt wurden.

In Deutschland erwarten wir im ersten Quartal das sogenannte Umweltverträglichkeitsgutachten, mit dem wir nachweisen, dass unser Verfahren umweltneutral ist und bei der Anwendung keine schädlichen Rückstände hinterlässt.

Für freuen uns auf die nächsten Erfolge und auf ein spannendes neues Jahr.“